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Die islamische Welt erlebt einen politischen Rückschritt seit der Unterzeichnung des Karlof-Abkommen (1699) durch die Osmanen. Während dieser Zeitspanne, erlebten die Muslime verschiedene Gedankenkriege.

Man muss zugeben, dass in diesen drei Jahrhunderten keine Gruppe so hart und erbarmungslos kritisiert wurde, wie die Gefolgsleute des Tasawwuf.

Zu der Zeit des Gesandten Allahs (s.a.s) und der Salaf as-Salihin waren die islamischen Wissenschaften nicht wie heute in mehrere Kategorien aufgeteilt und ihre Grenzen waren nicht festgelegt. Das Erlernen des Wissens war zu dieser Zeit natürlich nicht wie heute. Die Gelehrten der Salaf erlernten das Wissen um reifer zu werden und um ihre Lebensweise zu verbessern. Es gab keine `Aqîda,- und Fiqh-Schulen oder Tarîqa`s.

Zu jener Zeit wurde der Tasawwuf als weltentsagendes Leben (Zuhd) verstanden und gelebt und mit der Zeit entwickelte er sich zu einem System, so wie wir ihn heute kennen. Diese geschichtliche Entwicklung gilt auch für Fiqh und Hadîth. So wie sich Fiqh mit der Zeit systematisiert hat entstanden die Fiqh-Schulen (Madhâhib) und durch die Systematisierung des Tasawwuf entstanden die Turuq.

Durchreisen Sie die islamische Welt von einem zum anderen Ende so wird zum größten Teil der Einfluss des Tasawwuf ins Auge stechen. In der 1400 jährigen Geschichte der Ummah gibt es kaum ein Wissen, für welches mehr Interesse gezeigt wurde als für den Tasawwuf; Es wäre schwer zu sagen, dass der Tasawwuf heutzutage nicht der am meist bestrittene Wissensbereich ist.

Von den Steppen Mittelasiens bis zur Wüste Basras; Von Marokko bis zum Donau –Stamm und überall wo die Schritte der Ummah gehört wurden, waren auch die Gefolgsleute des Tasawwuf. In den Steppen Mittelasiens wird der Tasawwuf zu „Pir-i-Turkistan“. Khaja Ahmad Yasawi (k.s) verbreitete den islamischen Atem und seine Weisheit unter den Nomaden der Kazaken und Kirgisen. Sein Werk „Diwani-Hikmah“ wird heute noch gelesen.

Er bringt den Menschen weiterhin die Wahrheit bei. In Bukhara war es Shahi-Naqschiband (k.s).Er verzierte die Herzen mit dem Worte Allahs. Der Wind der Herzen, welche er verzierte, erweckt auch heute noch tote Herzen zum Leben.

Zu  Shah Najmaddin-i-Kubra (k.s) wurde er. Mit dem Schwert in der Hand bekämpfte er den Götzendiener Jangiz Khan. Sein Blut tränkte die Erde. Manchmal erschien er, wie in Indien als  Imam-i-Rabbani (k.s). Er war nicht nur der Mujaddid des 2. Jahrtausends, sondern auch ein Symbol des Widerstandes und der Entbehrung. Er wehrte sich gegen Shah Akbar, der einen Din aus Islam, Buddhismus und Christentum entwickeln wollte. Sein Werk Maktubat ist heute immer noch eine wichtige Quelle für die Ummah.

In Lybien war Omar Mukhtar (Rah.a.) der Tasawwuf. Die Sanusiyye-Darwishe angeführt von Omar Mukhtar waren wie Blitze für die Italiener. Im Kaukasus war er Gazi Muhammad (Rah.a.) und Shaykh Shamil (k.s). Diesmal heißen die Blitze Naqshibandiyyah. In Ägypten standen die Shadhalis mit Hasan al-Banna (Rah.a) auf. Auch wenn die Ikhwanil Muslimin später sich gegen den Tasawwuf entwickelten so war ihr Gründer ein Schadhali-Darwish.

In der Wüste von Basra war er Ahmad ar-Rufai , in Bagdad Abdulqadir al-Jaylani , in Andalusien Muhyiddin-i-Arabi. In Ungarn Gül Baba, in Dobrogea (Dobrudja) Sari Saltuk. Haji Baktash Wali sandte Sari Saltuk schon 150 Jahre vor den Osmanen nach Rumänien.

Die Darwische waren nicht nur im Jihad führend. Egal welche Wissenschaft man betrachtet man wird einen Sufi darunter finden.

Sollen wir Shaykh Galib oder Itri erwähnen? Sollen wir von Ismail Hakki Bursawi oder Aziz Mahmud Hudayi sprechen? Der Tasawwuf prägte jedes Jahrhundert die islamische Welt. Außer ein paar Ausnahmen (wie die Kadizadeler) kamen keine Widersprüche bzgl. des Tasawwuf von Gelehrten, die ihre meiste Zeit dem Wissen widmeten.

Entfernt die Sufis aus der Geschichte und lasst uns sehen was übrigbleibt?! Entfernt Mawlana aus Konya und Shaykh Shabani Wali aus Kastamon. Was wird übrig bleiben? War es nicht Shaykh Akshamsaddin, der Fatih die Liebe zu Konstantinopel lehrte? War etwa ein anderer der geistige Eroberer Istanbuls? Ist es heute anders als es in der Vergangenheit war?

Waren die Shuyukh des Tasawwuf nicht eine Mauer gegen die Verwestlichung und Europäisierung, welche mit den Tanzimat eingeleitet wurde? War es nicht Atatürk persönlich, der Shaykh Muhammad Diyauddin und seinen Sufis, welche während des 1. WK Widerstand gegen die Russen und Armenier leisteten, in einem Brief dankte?

In den Reihen von Mehmed Zahid Efendi wurden zwei Präsidenten, vier Kanzler und viele Minister und Abgeordnete ausgebildet. Kann man seine Augen verschließen vor der Anstrengung Süleyman Hilmi Efendis Arabisch und den Quran zu lehren, vor der Befolgung der Sunnah Ali Haydar Efendis und seinen Gefolgsleuten, vor der Rehabilitierung von Alkoholikern Abdulhakim Husaynis? Entfernt Sayyid Arwasi aus dem Herz von Necip Fazil. Wird eine „Plage“ oder ein „in die Wüste herabsteigendes Licht“ (zwei seiner Werke) übrigbleiben?

Kein Mensch mit Iman und Herz und keine Person mit Verstand erklärt all die geistigen und kulturellen Güter auf einen Schlag als unislamisch. In letzter Zeit jedoch entstanden Gruppierungen, die versuchen den Tasawwuf als unislamisch darzustellen. Besonders um diesen Leuten und ihren Sympathisanten eine Antwort zu geben haben wir uns dazu entschlossen ein paar Schriftreihen zu verfassen.

Es ist aber auch nicht richtig diese Gruppierungen alle in einen Topf zu stecken. Die Anti-Tasawwuf Haltung mancher beruht auf Unwissenheit und auf Hörensagen, diese ist leicht zu beseitigen. Solchen Muslime kann man durch wissenschaftliche und vernünftige Beweise helfen.

Eine andere Gruppe sind die, die einer Schule und ihrer Lehre folgen. Betrachten wir die Gruppen in dieser Kategorie, welche sich selber als Linientreue Muwahhiduun bezeichnen, erkennt man, dass sie davon entfernt sind den Tasawwuf im Grunde genommen zu verstehen; Sie vernachlässigen die Asbabun-Nuzul und die Gesamtheit von Siyaq und Sibaq.

Sie scheuen nicht davor zurück und benutzen z.B. einen Vers für die Mu`minun, welcher bei der Schlacht von Badr für die getöteten Mushrikun offenbart wurde. Es fällt auch auf, dass diese erwähnte zweite Gruppe sich in ihren Werken des Öfteren nicht auf die vergangenen Ulama bezieht.

In dieser Schriftreihe haben wir besonders versucht das Unrecht (Batil) und falsche Auffassungen nicht anzusprechen. Wir haben uns direkt mit den Antworten der Fragen, die den Gefolgsleuten des Tasawwuf am meisten gestellt werden, beschäftigt. Wir möchten auch klarstellen, dass unser fehlerhaftes Wissen oder diese Schriftreihe nicht ausreicht um den Tasawwuf komplett zu erklären. Diese Schriftreihe besteht nur daraus eine Fährte des Tasawwuf zu legen, die auf Quran und Sunnah aufbaut.

Warum machen die Ahlu-Tasawwuf so viel Dhikr?

Dieser Frage begegnen die meisten Mutasawwifin. Warum praktiziert ihr mehr Dhikr anstatt mehr zu beten oder Quran zu lesen? Natürlich wissen einige dieser Fragenden nicht, dass ein anderer Name des Qurans auch Dhikr ist.

Nur das Dhikr der Sufis  mit Herz oder Zunge ist ein anderes Gebot Allahs als das Gebet oder die Rezitation des Qurans.

„Gewiss, Ich bin Allah. Keine Gottheit existiert, es sei denn Ich, so diene Mir und verrichte das rituelle Gebet zu Meinem Gedenken.“ (at-Taha,14)

In diesem Vers wird das Gebet als Dhikrullah beschrieben. Eine Weisheit des Gebetes ist es, dass man sich an Allah den Erhabenen erinnert.

Im eigentlichen Sinne jedoch umfasst Dhikrullah auch andere Bedeutungen:

„Und wenn ihr dann das rituelle Gebet vollendet habt, dann gedenkt Allahs im Stehen, im Sitzen und im Liegen (auf der Seite). Und wenn ihr euch sicher fühlt, dann verrichtet das Gebet ordnungsgemäß! Gewiss, das (Verrichten des)   Gebets bleibt dem Mumin immer eine durch Zeitpunkte bestimmte Verpflichtung. “ (An-Nisaa,103)

Wie wir sehen hat Allah ,der Erhabene, in diesem Vers das Gebet und Dhikr voneinander getrennt und verlangt von uns dass wir ihm in jeder Situation und Lage gedenken. So wie in allen Geboten Allahs liegt auch in diesem Gebot göttliche Weisheit und Nutzen verborgen. Nur durch das von uns verlangte Dhikr (In jeder Lage und Situation) erwirbt der menschliche Geist gewiss Gaben und Besonderheiten.

„Ihr, die den Iman verinnerlicht habt! Gedenkt Allahs im häufigem Gedenken, und lobpreist ihn nach dem Sonnenaufgang und vor dem Sonnenuntergang!“ (Al-Ahzaab,41-42)

Ist man aufmerksam dann sieht man, dass es im Quran keine andere Ibadah außer dem Dhikr gibt wo der Zusatz „häufig“ geboten wird. Dieses Gebot gilt nur für Gottesgedenken.

Nach der Erklärung von Elmali Hamdi Yazar Efendi (Rah.a) ist die Lobpreisung (Tasbih) der Grundstein des Dhikr und der Grund für  die Erwähnung von „morgens und abends“ ist ein Hinweis auf andauernd. Dieser Vers beschreibt den Zustand des immerwährenden Dhikrullahs ohne der Ghaflah zu verfallen und diesen Zustand nennen die Sufis „Dhikri-Sultani“. Später werden wir uns noch detailliert mit Dhikr beschäftigen und begnügen uns soweit fürs Erste.

Warum wird besonders Istighfar praktiziert? Warum begeht man mit dem Murschid zusammen Tawbah?

„Und bittet Allah allesamt um Vergebung ihr Muminun!- damit ihr erfolgreich werdet.“ (An-Nur,31)

Als ein Schlüssel zur Rettung wird uns die Tawbah gezeigt. Der Gesandte Allahs (s.a.s) beschreibt die Rettung, auf die in vorigem Vers hingewiesen wird, folgendermaßen:

„Wenn jemand nicht vom Istighfar ablässt, zeigt Allah ihm einen Weg aus jeder Schwierigkeit und Traurigkeit und versorgt ihn aus unerwarteten Richtungen.“(1)

Der Gesandte Allahs (s.a.s), zu wessen Eigenschaften auch „Ismah“ gehört, sprach:

„Ich schwöre bei Allah, am Tag bitte ich Allah mehr als siebzig mal um Vergebung und begehe Tawbah.“(2)

In einer anderen Hadith wird überliefert, dass die Zahl des Istighfar des Gesandten Allahs (s.a.s) mehr als hundert betrug.(3)

Wenn der Gesandte Allahs (s.a.s) hundertmal am Tag Allah um Vergebung bat, obwohl er keine Sünden beging, wie oft müssen wir dann um Vergebung bitten?

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass die gebotene Tawbah zusammen gemacht werden soll. Ein anderes Ergebnis des Verses ist, dass eine sündende und kaputte Gemeinschaft ohne Tawbah keine Rettung erlangen kann.

„Und kooperiert miteinander beim gottgefällig Gebotenen und bei Taqwah. Doch kooperiert nicht bei dem Verwerflichen und bei der Übertretung!“                            (Al-Maidah,2)

Ist man aufmerksam erkennt man, dass den Muminun befohlen wird sich bei der Taqwah untereinander zu helfen. Einen Mumin zum Amal-As-Salih anzuhalten und ihm bei der Ibadah zu unterstützen ist ein Befehl Allahs.

Eben die Tawbha, welche die Mashayikh die Menschen machen lassen, besteht aus der Befolgung des Gebotes dieses Verses.

„Ihr, die ihr den Iman verinnerlicht habt! Handelt Allah gegenüber der Taqwah gemäß und seid unter den Wahrhaftigen!“              (At-Tawbah,119)

Die Muminun müssen dem Befehl gemäß am Iman und dem Din festhalten und mit Führern der Taqwah zusammen sein. So wie es dem Iman Schaden zufügt, wenn man mit Menschen zusammen ist, die einen auf einen falschen Weg führen, die nicht davor zurückschrecken die Gebote Allahs zu übertreten, so ist es auch offensichtlich, dass das Zusammensein mit den Gefolgsleuten der Taqwah und der Rechtleitung einen Nutzen bringt.

Eine Person alleine kann die Listen des Teufels und die schlechten Eigenschaften der Triebseele nicht besiegen. Von diesem Zustand kann man heutzutage ausgehen. Es ist ganz klar, dass eine Person, die den Islam innerhalb einer Gemeinschaft praktiziert, einen Schutzwall gegen den Teufel und die Triebseele aufbaut.

„Und wären sie doch, nachdem sie Unrecht begangen hatten, zu dir gekommen und hätten Allah um Vergebung gebeten und hätte dann der Gesandte Allahs für sie um Vergebung gebeten, würden sie Allah als reueannehmend, allgnädig finden.“                      (An-Nisaa,64)

Im Tafsir Al-Kabir wird überliefert, dass die beste Tawbah für die Ummah, die Tawbah in der Gegenwart des Gesandten Allahs (s.a.s) ist. Der Sünder begeht Tawbah und der Gesandte Allahs (s.a.s) ist Zeuge und bittet für ihn um Vergebung.

Im Tafsir von Ibn Kathir wird überliefert dass einem Nomaden, der diesen Vers am Grab des Gesandten Allahs (s.a.s) rezitierte, vergeben wurde. Im Kapitel „Haddu-Sirkat“ der Hadith-Bücher ist niedergeschrieben, dass der Gesandte Allahs (s.a.s) für einen Dieb, der gerade bestraft wurde, um Vergebung bat und ihm riet Tawbah zu begehen.

Wo ist es falsch unter der Bezeugung eines Murshidi-Kamil Tabwah zu begehen, wessen geistiges Band bis auf den Gesandten Allahs (s.a.s) zurückführt und welcher es verdient hat ein Vertreter des Gesandten Allahs (s.a.s) genannt zu werden? Obendrein bittet ein treuer Diener Allahs um Vergebung für den, der Tawbah begeht.

Wer diese Art von Tawbah mit der Sündenvergebung der Christen vergleicht, hat entweder kein Wissen über den Tasawwuf oder er hat Vorurteile und ist rechthaberisch.

Denn kein einziger Tasawwuf-Shaykh hat jemals behauptet, dass er die Befugnis hat anderen zu vergeben. Genauso hat nie ein Darwish daran gedacht, dass sein Shaykh Sünden vergeben kann.

Im Christentum vergibt der Priester die Sünden und im Islam hat nur Allah die Befugnis jemandem zu vergeben.

„Und wenn ihnen gesagt wird: „Kommt, damit Allahs Gesandter für euch um Vergebung bittet!“, wenden sie ihre Köpfe weg. Und du siehst sie sich abwenden, während sie sich in Arroganz erheben.“             (Al-Munafiqun,5)

Der Grund dieser Offenbarung sind die Munafiqun aus Madinah. Jedoch stellen wir uns vor, dass dieser Vers allgemein zu verstehen ist. Wer kann uns die Garantie geben, dass diejenigen, die bis zum Qiyamah vor der Einladung der Tawbah und Istighfar davon rennen nicht zu dieser Gruppe gehören?

(1)Abu Dawud, Witr, 26.

(2)Bukhari, Dawaat, 3.

(3)Muslim, Dhikr, 42.

Aus der Zeitschrift „Gülistan“.

http://www.gulistandergisi.com/dergi_oku.php?id=291


Übersetzt von Sadiq al-Muharib

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